|
Die Chemotherapie mit Zytostatika gehört zur
sog. systemischen Behandlung des Brustkrebses: Dabei gelangt das
Arzneimittel mit dem Blutkreislauf in alle Körperregionen (d.h.
in das gesamte „System“). Zytostatika hemmen das Zellwachstum
und die Zellteilung der Tumorzellen … und leider zum Teil auch
der gesunden Zellen (insbesondere der schnell wachsenden
Zellen). Daher kommen die – von Patient zu Patient völlig
unterschiedlichen – möglichen Nebenwirkungen. Vorübergehend in
Mitleidenschaft gezogen werden können Blutbild, Haut,
Schleimhäute, Haare und Nägel.
Heute sind wir in der Lage, viele der Nebenwirkungen fast völlig
zu unterdrücken. Es gibt sehr gute Medikament zur Unterdrückung
der Übelkeit, so dass Erbrechen nur noch selten vorkommt. Gegen
bestimmte Nebenwirkungen wie Haarausfall bei bestimmten
Chemotherapien sind wir immer noch machtlos. Jedoch können
Hilfsmassnahmen, wie die rechtzeitige Verschreibung einer
Perücke und eine Beratung im Vorfeld durch Ihren Frisör,
durchaus zur Linderung beitragen.
Nebenwirkungen: Um Ihnen die Behandlung der Chemotherapie
zu erleichtern, möchten wir einige Nebenwirkungen näher
erläutern und Tipps zur besseren Verträglichkeit geben:
- Mundschleimhautveränderungen
Während der Chemotherapie können wunde Stellen (Entzündungen) im
Be- reich der Schleimhäute auftreten. Bläschen, aber auch kleine
offene Stellen können durch Bakterien und/oder Pilzebesiedelung
zu Entzündungen führen. Zur Vorbeugung sollten Sie weiche
Zahnbürsten verwenden; Zahnprothesen sollten rechtzeitig
korrigiert werden. Scharfe und heiße Speisen sind zu meiden.
Lippen, Mundwinkel und Nasen-Innenraum mit Salbe gegen
Austrocknung einreiben (besonders im Winter).
- Übelkeit / Erbrechen
Heute gibt es sehr potente Mittel gegen Brechreiz oder gar
Erbrechen. Meist werden sie als sog. „Kurzinfusion“ vor der
Chemotherapie in die Vene gegeben, damit ein Brechreiz gar nicht
erst auftritt. Zusätzlich werden Ihnen Medikamente auch
vorbeugend verschrieben, damit Sie zuhause selbst die
Möglichkeit in Händen, halten schnell und effektiv gegen
mögliche Beschwerden vorzugehen. Oft werden mehrere Medikamente
kombiniert, um den Brechreiz wirkungsvoll von unterschiedlichen
Seiten zu behandeln. Ihr Arzt wird Ihnen alle verordneten
Medikamente erklären und Ihnen ggf. eine Einnahmeliste
aushändigen. Hilfreich sind unter anderem auch
Entspannungsübungen, die Sie selbst oder in einer Gruppe
erlernen können.
- Haarausfall
Auch die Haarzellen gehören zu den schnell wachsenden Zellen und
unterliegen somit dem Nebenwirkungsspektrum der Zytostatika. Die
Haare beginnen ca. 10 bis 14 Tagen nach der ersten Chemotherapie
auszufallen. Sie wachsen nach Abschluss der Chemotherapie wieder
nach. Noch vor der Chemotherapie wird Ihnen ein Rezept für eine
Perücke ausgestellt. Allerdings reicht der Erstattungsbetrag für
eine „schöne“ Perücke oft nicht aus. Lassen Sie sich daher von
Fachleuten beraten. Adressen und Telefonnummern bekommen Sie von
unseren INFO-Schwestern.
- Blutbildveränderungen
Im Knochenmark sitzen die sog. „Stammzellen“. Sie bilden die
Urahnen der späteren Blutbestandteile rote Blutzellen, weiße
Blutzellen und Blutplättchen. Hier werden Tag für Tag
zehntausende neuer Zellen produziert! Wird die Produktion in den
Stammzellen durch Zytostatika eingeschränkt, dann sinkt die Zahl
der Blutbestandteile mit folgenden Konsequenzen:
Um rechtzeitig eingreifen zu können, ist eine
wöchentliche Verlaufskontrolle der Blutwerte unabdingbar!
Verschiedene medikamentöse Therapien erlauben es, die weißen
Blutkörperchen mit so genannten Wachstumsfaktoren im Knochenmark
zu stimulieren. Sollten die roten Blutzellen oder die
Blutplättchen unter einen bestimmten Grenzwert fallen, so sind
in seltenen Fällen unter anderem Bluttransfusionen nötig. Oft
hilft es schon, den Chemotherapiezyklus um einige Tage zu
verschieben.
Studien
Eine Reihe von Therapieverfahren befindet sich im Stadium der
Erprobung und darf oder soll nur im Rahmen von klinischen
Studien angewendet werden. Jede Patientin möchte mit der besten
verfügbaren Therapie behandelt werden. In Studien werden die
neuesten Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung genutzt
und mit herkömmlichen Therapiestandards verglichen. So ist es
möglich zuverlässig und intensiv an neuen, noch besseren
Therapieverfahren zu forschen und einer breiten Patientenzahl zu
kommen zu lassen. Studien vergleichen häufig zwei oder mehr
Behandlungsformen miteinander, z. B. eine neue mit einer bereits
angewandten Form der Behandlung. Die Patienten werden zufällig
einer der zu untersuchenden Behandlungsformen zugelost ("randomisiert").
Während der Erprobung neuer Medikamente oder Therapieschemata
ist eine gute Kontrolle und Betreuung besonders wichtig. Es gibt
daher internationale Leitlinien, nach denen Patienten im Rahmen
von klinischen Studien behandelt werden müssen.
Das Darmrum der Ammerland-Klinik nimmt an verschiedenen Studien
teil. Sollte eine bestimmte Studie Ihnen Vorteile erbringen, so
werden wir Sie darauf ansprechen, ob Sie sich an der
vorgeschlagenen Studie beteiligen möchten. Haben Sie selbst
Fragen zu Therapiestudien oder haben Sie etwas gelesen und
möchten darüber mit einem Facharzt sprechen, so sprechen Sie uns
an.
Das Darmzentrum der Ammerland-Klinik nimmt derzeit an der
internationalen PETACC-8-Studie teil, bei der ein möglicher
Vorteil des EGF-Rezeptor-Antikörpers Cetuximab beim
Colon-Karzinom im Stadium UICC III überprüft wird. |