|
Bei einem Aortenaneurysma
handelt es sich um eine Aussackung der Hauptschlagader
entweder im Brustraum oder im Bauchraum , bei der die Gefahr
des Platzens oder die Bildung von Blutgerinnseln im
Aneurysmasack mit Verschleppen von Thrombusmaterial in die
kleinen Gefäße der unteren Extremitäten besteht.
Die Hauptgefahr besteht allerdings in der lebensgefährlichen
Blutung bei Platzen des Aneurysmas.
So starben z. B. Albert Einstein und Thomas Mann an einer
geplatzten Bauch-schlagader!
 |
Aneurysma der Hauptschlagader vor ihrer Aufteilung in die Beckenschlagadern |
Prinzipiell können
Aneurysmen in jedem Gefäß des Menschen auftreten, manchmal auch
gleichzeitig an verschieden Gefäßabschnitten. ( besonders
Beckenschlagadern und Knieschlagadern)
Ursächlich ist eine Wandschwäche der Arterie auf dem Boden
einer Arteriosklerose (krankhafte Veränderung der Gefäßwand mit
Ablagerungen und Entzündungsreaktionen)
Symptome
Man teilt die Aneurysmen in asymptomatische, symptomatische
und rupturierte (geplatzte) Aneurysmen ein.
Meistens ist das Aneurysma asymptomatisch (d.h. es macht
keine Beschwerden, und der Patient weiß häufig gar nicht, dass
seine Hauptschlagader krankhaft verändert ist) und wird zufällig
bei einer allgemeinen Untersuchung z. B. mit dem
Ultraschallgerät entdeckt.
Bei den symptomatischen Aneurysmen werden durch die Lage
oder der Größe des Aneurysmas bereits erhebliche Beschwerden,
z. B. ziehende Rückenschmerzen verursacht.
Diese Symptome deuten auf eine drohende Ruptur hin und eine
rasche Behandlung zur Vorbeugung dieser lebensgefährlichen
Situation ist dringend geboten.
Bei den geplatzten (rupturierten) Aortenaneurysmen ist
eine Notoperation erforderlich, die allerdings häufig den
Patienten vor dem Verblutungstod nicht mehr retten kann.
Behandlungsindikation
Aufgrund dieser sehr schlechten Prognose eines einmal
rupturierten Aneurysmas ist das Behandlungsziel vor allem in der
Vorbeugung zu sehen.
Durch viele Studien konnte man nachweisen, dass ab einer
Größe von etwa 5 cm Durchmesser das Rupturrisiko deutlich
ansteigt.
Daher hat man sich international weitgehend dahin geeignet, dass
Bauchaortenaneurysmen ab einer Größe von 5 cm zu
behandeln sind.
Therapie
Prinzip ist der Ersatz der krankhaft erweiterten Bauchschlagader
durch eine Kunststoffprothese.
Meistens wird das Aneurysma durch einen Bauchschnitt freigelegt,
in besonderen Fällen auch von einem Seitenschnitt in der Flanke
unter Umgehung des Bauchraums.
 |
Freilegen des Aortenaneurysmas |
Das Aneurysma wird dann
eröffnet, nachdem die Hauptschlagader abgeklemmt wurde.
Die Ablagerungen, die in dem Sack vorhanden sind, werden
ausgeräumt, dann wird die Kunststoffprothese in das eröffnete
Aneurysma eingelegt , die Enden werden mit der gesunden Aorta
vernäht.
 |
Nach Ausschalten des Aneurysmas Einnähen der Kunststoffprothese |
Damit ist der kranke Teil
ausgeschaltet und durch eine Art Bypass überbrückt.
Bei krankhaften Veränderungen auch in der Beckenschlagader wird
eine Y- förmige Kunststoffprothese auf die Becken - oder
Leistenschlagader angeschlossen.
Dann spricht man von einer Y- Prothese oder
Bifurkationsprothese im Gegensatz zu einer Rohrprothese,
die bei ausschließlichen Veränderungen in der Aorta eingesetzt
wird.
Dieses Kunststoffgefäß ist über viele Jahre voll belastbar und
funktionsfähig, nur selten muß bei bestimmten Indikationen ein
neuer Ersatz eingebaut werden.
Es sollte in jährlichen Abständen zur Kontrolle eine
Ultraschalluntersuchung erfolgen.
Im Jahr werden von unserer Klinik etwa 70
Bauchaortenaneurysmen auf diese Weise operiert.
Moderne Behandlungsalternative zur konventionellen Operation
durch die Kathetertechnik
(Endovaskuläre Stentgraftimplantation beim Aortenaneurysma,
EVAR)
Vor ca. 10 Jahren wurde eine Technik entwickelt, bei der durch
einen Katheter, der von der Leistenarterie bis in die Aorta
vorgeschoben wird, ein entfaltbarer Metallgitterkorb mit einer
Kunststoffbeschichtung in das Aneurysma eingebracht wird, sich
dort entfaltet und dadurch das Aneuysma von innen abdichtet bzw.
sichert und damit einer Ruptur vorbeugt.
 |
Schema einer Prothese
|
Eine sehr elegante Methode,
bei der die Risiken einer Operation zum Teil umgangen werden
können.
Bei dafür geeigneten Patienten scheint diese Therapie deutlich
risikoärmer zu sein als die herkömmliche Operationsmethode.
In einigen dafür spezialisierten Kliniken werden
Aortenaneurysmen fast auschliesslich nach dieser Technik
operiert
Ein Nachteil ist das gelegentliche Auftreten von „Leckagen“ (
also undichten Stellen) nach der Operation , die regelmäßig
überwacht werden müssen (daher auch die vor allem anfänglich
engmaschigen Kontrolluntersuchungen) und manchmal auch einen
Zweit- oder Dritteingriff erforderlich machen.
Weiterhin gibt es noch keine Langzeitstudien, die den Verlauf
der auf diese Weise operierten Patienten dokumentieren können.
 |
Endovaskulärer Stentgraft: postoperative Röntgenkontrolle
|
Zur Zeit führt unsere
Klinik jährlich etwa 35 dieser endovaskulären
Aneurysmareparationen durch. |